Meine letzte Tour im Jahre 2010 ging an die Gold Coast. Diese erstreckt sich von Byron Bay in NSW bis hoch nach Brisbane, Hauptstadt vom Bundesstaat Queensland. Am 23. Dezember ging mein Flug nach Ballina/Byron. Ich bin dabei nicht der Sonne entgegen geflogen, sondern habe mich von ihr entfernt! Nach einer halben Stunde Flug verdichteten sich die Wolken und ich sollte die warmen Sonnenstrahlen für die nächsten 6 Tage nicht mehr auf meiner Haut spüren. Der Flughafen liegt ca. eine halbe Stunde von Byron Bay entfernt, sodass ich mich vorher im Internet nach Shuttlebussen erkundigt und mir im Vorfeld ein Ticket gekauft habe. Am Flughafen angekommen (Ballina Airport ist ungefähr genauso „groß“ wie der von Port Macquarie) stand dann tatsächlich mein Name auf einem der Schilder
Ich habe mich von der Family, die mit dem gleichen Flieger geflogen ist, verabschiedet und bin nach Byron Bay gefahren. Das Hostel war dieses Mal wieder sehr interessant! Aber von den nackten Holländerinnen gleich mehr.
Als ich angekommen bin, war es schon Abend. Ich hatte mich mit Anja2 und ihrer Freundin Anja3 verabredet. Die beiden waren/sind immer noch auf einer Roadtrip-Tour die Ostküste entlang. In Byron Bay haben sich unsere Wege also gekreuzt. Leider hat sich unser Plan, abends nach Surfers Paradise zu fahren und dort ein bisschen wegzugehen, nicht verwirklichen können. Und leider sind wir zu meiner Enttäuschung nicht mal in Byron was trinken gegangen. Aber gut, wir sind nach dem Abendessen ein bisschen die Hauptstraße langgeschlendert. Habe ich schon erwähnt, dass dieses Surfparadies gleichzeitig ein Hippie-dorf ist? Also an komischen und zugleich interessanten Menschen fehlt es in Byron nicht. Aber Nimbin, der einzige Ort in Australien, wo Drogen „geduldet“ werden, liegt ja auch nicht weit entfernt.
Nachdem wir uns für den nächsten Tag (Heiligabend) verabredet haben, sind die beiden zurück in ihr Backpackers und ich zu meinem YHA gelaufen. Da ging es dann los mit dem Regen, der tagelang andauern sollte. Das Hostel ist eigentlich ganz schön aufgebaut, mit Pool natürlich wieder, einem Außenbereich zum Essen und gemütlichen Hängematten. Mein Zimmer war dieses Mal allerdings das wohl schlimmste überhaupt. 9 fremde und äußerst merkwürdige Personen in einem Zimmer… Schon als ich das Zimmer zum ersten Mal betreten habe, waren da 4 Holländerinnen und eine von denen lag halb nackt auf ihrem Bett. Mit freiem Oberkörper hat die da wild rumgestikuliert. Als ich mich dann nachts hingelegt habe, waren alle von denen weg. Erst irgendwann zwischen 2 und 4 Uhr kamen sie wieder – mit männlicher Begleitung. Ich habe in meinem Halbschlaf nicht hingeguckt, aber dem Kerl hat irgendwas nicht in dem Zimmer nicht gepasst und ist wieder rausgegangen. Am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass eine von den Mädels fehlte. Den Rest kann man sich denken. Die anderen lagen alle fast völlig nackt in ihren Betten. So war das erste, was ich am 24. Dezember erblickte, ein nackter Arsch.
Nicht nur ich hatte eine interessante Nacht. Anja2 hat mir von einem Mädel erzählt, die mitten in der Nacht „water sex“ im Pool hatte und es jedem laut mitgeteilt hat (generell passiert das wohl öfter, weswegen ich nicht unbedingt in einem Hostel-Pool schwimmen muss).
In der 6. Klasse war in meinem Englischbuch ein Foto abgebildet, auf dem man sehen kann, wie hunderte Menschen mit Nikolausmütze am Bondi Beach Weihnachten feiern. Seitdem wollte ich auch mal Weihnachten am Strand unter der heißen Sonne Australiens verbringen. Nun war es soweit, mein Traum war zum Greifen nahe. Und doch hat er sich nicht erfüllt…Während in Bondi die Sonne schien, hat es bei uns aus Badewannen geregnet. Ich war ca. 10 Minuten am Strand, als es anfing. Das war’s dann. Wir drei haben uns untergestellt und bis 1 Uhr gewartet, bis die beiden Richtung Norden weitergefahren sind. Ich wusste dann nicht, was ich machen sollte. Ich hatte bis halb 5 Zeit, bis Stephs mum Feierabend hatte und mit mir nach Lismore fahren würde. Den geplanten Lighthouse Walk konnte ich bei dem Wetter vergessen. Also habe ich das gemacht, was man als einziges noch machen konnte. Ich bin shoppen gegangen. Aber aufgrund meines mittlerweile akuten Geldmangels habe ich nicht viel ausgegeben. Byron ist ansonsten relativ langweilig. Es gibt eben nur die eine Hauptstraße mit ein paar netten Surfshops, Bars und Restaurants, aber das war es auch schon. Warum der Ort so bekannt ist, ist mir eigentlich ein Rätsel. Wird wohl wie immer der schöne Strand sein, der sich gut zum Surfen eignet.
Die Zeit wollte nicht rumgehen und ich war klitschnass. Schließlich habe ich nachmittags im Noodlehouse mein Mittag gegessen. Dann ist mir etwas richtig unglaubliches passiert!! : Als ich so meine mittelmäßigen Nudeln gegessen habe, kamen drei deutsche Mädels vorbeigelaufen. Nichts besonderes bis jetzt, denn Australien ist nach Malle das 18. Bundesland. Neben der Bude sollte wohl ihr Hostelbus halten und auf den haben die gewartet. Da es nunmal Heiligabend war, habe ich Frohe Weihnachten gewünscht. Die drei haben sich neben mich gesetzt und wir sind ein bisschen ins Gespräch gekommen. Zumindest habe ich mich mit einer von ihnen unterhalten, die anderen waren mit Saufen beschäftigt (es sei ja Weihnachten). Die ersten Fragen, die man sich so stellt, sind, was man denn hier in Australien mache und wie lange man hier bleibe. Es gibt nämlich nur die Work&Traveller, die „Nur-Traveller“ und die Au-Pairs. Sie hat mir erzählt, sie sei Au Pair im Norden Sydneys gewesen. Soso. Ich habe ihr erzählt, dass ich sogar noch eines bin; bis dahin noch nichts Spannendes. Aber nach ein paar Minuten fragt sie mich aus heiterem Himmel, ob ich zufällig Anja Fitzner sei. Oh mein Gott! Woher kennt die mich?? Von AIFS? Nein.. Ich bin echt aus allen Wolken gefallen. Dann holt sie noch ihr Handy aus der Tasche und zeigt mir meine Nummer, die bei ihr eingespeichert ist. Ich habe wohl alles vergessen, denn sie klärt mich auf. Sie hat mich bei facebook ganz am Anfang (also im Juli) angeschrieben, von wegen sie sei auch Au-Pair, ob man sich nicht mal treffen könnte. Wir haben dann Nummern ausgetauscht, haben uns aber aus irgendeinem Grund doch nicht getroffen und das Ganze ist im Sand verlaufen. Später habe ich mal in mein Handy geguckt, und da war tatsächlich ihre Nummer drin. Was für ein Zufall! Die Welt ist doch so klein! Ich meine, wenn man nur die Ostküste entlangreist, kann das schon mal vorkommen, dass man sich wiedersieht, aber sowas…Und vor allem, die Umstände, wie wir uns begegnet sind. Ich habe mein Mittag nur beim Noodlehouse gegessen, da es in Byron an Fastfood-Filialen fehlt und die Mädels haben sich entschlossen mit dem Bus zum Hostel zu fahren, als zu laufen. Hätte ich nicht Frohe Weihnachten gesagt, wären wir vielleicht nicht mal ins Gespräch gekommen! Sachen gibt’s…
Wir haben uns verabschiedet und um halb 5 bin ich dann zum Postoffice gelaufen und Hollys Oma hat mich zu ihr nach Hause genommen (, nachdem ich ein australisches Postamt von innen gesehen habe). Lismore ist ein ganz schönes Stück weg von Byron, aber eigentlich ein ganz schöner Ort. Wenn es nur nicht immer geregnet hätte.. Ich hatte ein schönes Zimmer und wurde von Oma und Opa sehr herzlich in Empfang genommen. Thank you!
Am 24. abends war nichts Besonderes mehr. Heiligabend ohne Geschenke. Erst am nächsten Morgen gab es die Bescherung. Aber was wäre ein Aussie Weihnachten ohne Aussie Frühstück?! Bacon & eggs mit/auf Toast, yummy! Nach dem Frühstück kam noch ein bisschen Familie zu Besuch und die Geschenke wurden schließlich ausgepackt. Im Endeffekt habe ich meine Geschenke später bekommen als ihr alle in Deutschland, trotz der 10 Stunden Zeitverschiebung. Wir hatten einen richtig großen (, aber natürlich unechten) Weihnachtsbaum, unter dem die Geschenke lagen. Ich habe richtig schönen Schmuck von Steph und Clint bekommen, eine DVD von meiner Lieblingsserie How I Met Your Mother, Koch- und Backbücher, ein schönes Notizbuch und noch weitere Kleinigkeiten.
Eigentlich dachte ich, dass hier die Fresserei an Weihnachten nicht so schlimm wäre, wie man sie in Deutschland kennt. Weit gefehlt! Es mag vielleicht auch daran liegen, dass die italienische Oma (zu) viele gute Sachen kocht. Es gab jedenfalls ein großes Mittagessen und später sind wir zu weiterer Familie gefahren, wo es ein relativ großes Abendessen gab. Auf der „zweiten Feier“ habe ich mich allerdings viel mehr wie in Australien gefühlt. Alle saßen um einen großen Tisch in der Küche herum, es gab Schnitzel (die heißen hier wirklich chicken schnitzel) und verschiedene Salate. Wäre das Wetter schön gewesen, hätten wir bestimmt ein BBQ gemacht und das Abendessen nach draußen verlegt. Aber auch so, mit dem Aussie Slang überall um mich herum und den waschechten Aussis selbst und so… war das schon eine schöne Erfahrung.
Am 26. haben mich Steph und Clint ein bisschen mit dem Auto herumgeführt. Wir sind noch mal nach Byron Bay gefahren, wo ich endlich den Leuchtturm gesehen habe und wo ich am östlichsten Punkt Australien gewesen bin. Wir haben dann bei Hog’s Breath Mittag gegessen. Hog’s Breath ist eine sehr bekannte, aber auch etwas teure Steakhouse-Kette hier in Oz. Nach dem Essen sind wir Richtung Ballina gefahren, der nächstgrößeren Stadt südlich von Byron. Auf dem Weg sind wir an verschiedenen Stränden vorbeigekommen und Clint hat von seinen Surfgeschichten erzählt. Und ich habe – mal wieder – Delfine gesehen. Von der Landschaft im Landesinnern hat man wegen des Nebels nicht viel sehen können, aber ich bin trotzdem dankbar, dass mir die beiden das alles gezeigt haben. Leider versteckt sich hinter den Wolken nie nur die Sonne, sondern auch die Schönheit der Landschaft oder Stadt. Die Sonne macht so verdammt viel aus..
Am 27. habe ich nicht viel gemacht. Ich wäre unheimlich gerne mal wieder zum Frisör gegangen, da meine Haare mittlerweile eine Zumutung sind, aber so gut wie alle Läden hatten zu. Wenn hier in Australien Feiertage auf ein Wochenende fallen, werden einfach die Tage am Anfang der nächsten Woche nachgeholt. So waren Montag und Dienstag einfach mal weitere Feiertage. Dolle Sache für Arbeitnehmer.
Endlich war der 28. gekommen, der Himmel hatte sich einigermaßen ausgeheult und ich konnte wieder etwas unternehmen. Die Tage davor habe ich herumgegoogelt, ausprobiert und ausgerechnet, bis ich mir eine Tagestour zusammengestellt hatte, bei der ich die wichtigsten Punkte der Gold Coast abklappern konnte: Tweed Heads/Coolangatta, Surfers Paradise und Brisbane. Und es hat sogar alles geklappt, was mich sehr gefreut hat.
Ich bin morgens mit einem Country Link Bus erst einmal von Lismore nach Tweed Heads gefahren. Ich habe das Gefühl, jeden Bauern der Region nun zu kennen. Wir sind zwischen Lismore und Byron Bay nur auf kleinen Landstraßen und Waldwegen gefahren, vorbei an schönen Landschaften, überschwemmten Straßen und interessanten Ortschaften. Und dank meines GPS-Loggers kann ich später nachvollziehen, wo wir langgefahren sind. Dieses Mal der Oberkracher: Ich war knappe 10 km vom Dschungelcamp enfernt
! Bei denen wird es nass dieses Jahr…
Nach 2,5 Stunden Fahrt kam ich in Tweed Heads an. Das ist eine mittelgroße Stadt, die direkt an der Grenze von den beiden Bundesstaaten New South Wales und Queensland liegt. Ihre „Zwillingsstadt“ Coolangatta liegt direkt auf der anderen Seite der „Grenze“. Ich wollte unbedingt dorthin, um mal an zwei Orten gleichzeitig und zu verschiedenen Zeiten zu sein. Klingt komisch, ist aber so. In Queensland gibt es keine Sommerzeit, sodass es auf der einen Straßenseite 12 Uhr ist, auf der anderen schon 1 Uhr. Ich hatte nur 1,5 Stunden, also bin ich nur kurz am Strand gewesen. Wenn das Wetter schön ist, kann man dort nämlich richtig tolle Fotos machen. Dann sieht man nämlich die riesige Skyline von der Gold Coast am Horizont – mit dem schönen Strand und den Surfern von Coolangatta im Vordergrund. Vom Strand aus gibt es einen Küstenweg berghoch bis zu einem Memorial, an dem die Grenze noch einmal auf dem Boden markiert ist. Danach bin ich schon wieder zur Busstation gelaufen (das alles übrigens mit meinem Koffer, weil ich diesen nicht mal für eine Stunde im Information Centre abstellen konnte…überhaupt nicht zu empfehlen). Der nächste Bus (ein normaler Linienbus) sollte mich in etwas über einer Stunde auf dem Gold Coast Highway nach Surfers Paradise bringen. Der Highway führt fast direkt an der Küste entlang, so war Sightseeing inklusive. In Surfers angekommen, führte mich mein Weg direkt zum Hard Rock Cafe. Danach bin ich eigentlich nur noch die Shoppingmall langgeschlendert und habe mich kurz (immer noch mit Koffer) an den Strand gesetzt. Dummerweise ist vor dem berühmten Strandzugang zurzeit Baustelle, sodass ich kein schönes Bild von mir in Sufers machen konnte.
Surfers Paradise bedeutet Beach, Shopping und Party. Ob es ein Paradies für Surfer ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Man findet Surfshops aller bekannten Marken, der schöne Strand ist kilometerlang und kann anscheinend richtig gut feiern gehen (, was ich allerdings auch nicht ausprobiert habe). Viel mehr gibt es aber auch nicht zu sehen oder zu tun in der City selbst. Es gibt aber wohl viele Tagestouren und die vielen Theme Parks wie Wet’n’Wild, Warner Brothers Movie World oder Dreamworld sind nicht weit entfernt. Falls ich aber noch mal bei schönerem Wetter dorthin kommen sollte, möchte ich gerne in den Q-Tower (Q-Deck genannt, glaube ich). Von dort aus muss man einen tollen Blick über die Gold Coast haben.
Da ich nach einiger Zeit nicht mehr wusste, was ich in dieser für meinen Geschmack viel zu touristischen Stadt machen sollte, bin ich schließlich in den Bus bzw. Zug gestiegen und zu meinem Tages- und Endziel Brisbane gefahren. Das war also mein Tag an der (eigentlich überschätzten) Gold Coast. Ich habe trotz körperlicher Höchstanstrengung – verdammtes Gepäck – wieder viel erlebt und bin unheimlich stolz auf mich, dass alles geklappt hat.
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