MELBOURNE Teil 1

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine große Diskussion: Welche Stadt soll Hauptstadt Australiens werden. Zur Auswahl standen zwei große Rivalen: Sydney und Melbourne. Man konnte sich nicht einigen, da angeblich beide Städte gleich gut und interessant seien. Es gibt noch heute viele verschiedene Meinungen darüber, welche wohl die schönere Stadt sei.

Meine Meinung steht fest, besonders jetzt, nachdem ich in der Rivalenstadt im Staat Victoria gewesen bin. Sydney ist eindeutig die schönste und interessanteste Stadt Australiens und eine der besten Städte der Welt! Melbourne hingegen ist langweilig!! Klar hat Melbourne auch Vorzüge; wer sich für Sport und/oder Kultur sehr interessiert, ist dort ganz gut aufgehoben, denn es gibt zahlreiche Sportevents und ein volles Kulturprogramm. Für mich hat die Stadt allerdings nicht viel Interessantes zu bieten.

Ich habe auch hier wieder meine Woche (Ende November) mit einem „Einführungstag“ begonnen: 4-5 Stunden lang die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abklappern, um somit ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Stadtpläne waren zwar noch nie wirklich ein Problem für mich, aber jetzt bin ich Profi. Melbourne CBD (Central Business District, der wahre Stadtkern, den jede große Stadt hat) ist noch einfacher aufgebaut, als Adelaide. Die Straßen sind wie ein Gitter angelegt und die Parallelstraßen haben sehr einfallsreiche Namen wie „King Street“ und „William Street“ oder „Queen St“ und „Elizabeth St“. Mit einer kostenlosen Touristen-Straßenbahn kann man den CBD umrunden – ist mal ganz interessant, aber relativ nutzlos. Wie gesagt umrundet die Tram nur die Stadtmitte, fährt jedoch nicht hinein. Allerdings sollten Shopaholics mal zu den Docklands bzw. nach Waterfront City fahren, denn dort gibt es ein Shoppingcentre mit fast ausschließlich Outlet-Läden. Es gibt neben der Tram auch noch einen kostenlosen Bus für Touristen. Den habe ich nicht ausprobiert, da ich erst am letzten Tag eine Map gefunden habe, wo der überhaupt langfährt und anhält, doch da hatte ich schon alles gesehen, was ich sehen wollte.

Das Wetter war am ersten Tag sehr schön, allerdings auch ziemlich schwül. Für die nächsten Tage war nur Regen angesagt. Dieser Wechsel von schwül-heiß über Gewitter auf kühl-regnerisch ist tödlich für alle Heuschnupfen-Patienten. Für mich endete dieser erste Tag erst mal im Krankenhaus… Schon als ich angekommen bin, hat sich mein Heuschnupfen gemeldet, richtig heftig. Den Tag über habe ich Allergie-Tabletten einnehmen müssen. Meine erste Theorie war: Kastanienbäume. Ich habe meine Allergietest-Ergebnisse zwar nicht ganz im Kopf, aber ich bin ja gegen Gott und die Welt allergisch (das klingt jetzt irgendwie gut^^). In ganz, und zwar GANZ Melbourne stehen diese Kastanienbäume. Es war schwül und etwas windig und man konnte förmlich sehen, wie die Pollen um einen herumwirbelten. Abends kam noch eine dicke Wolkendecke dazu, die den ganzen Mist schön komprimiert für mich zusammengehalten hat. Nachmittags hatte ich schon mein Spray nehmen müssen, da schließlich auch meine Luft etwas knapp wurde. Es besserte sich kurzzeitig, später wurde die Situation in diesem stickigen Hostelzimmer allerdings wieder schlechter. Ich konnte nicht einschlafen, es ging einfach nicht. Wir waren zu 6. in diesem Raum mit nur einem winzig kleinen Fenster in der Ecke, durch das natürlich keine Luft passte. Eine Klimaanlage gab es nicht (, weswegen ich das YHA Central an dieser Stelle nicht empfehlen würde, zumindest nicht im Sommer), stattdessen mussten wir uns mit einem lauthals nach Pause schreiendem Ventilator zufrieden geben. Ich habe ihm die Pause nach einer dreiviertel Stunde gegönnt. Aber es wurde natürlich nicht besser. Dazu kam noch, dass meine Luft immer schlimmer wurde und mein Spray keine Wirkung mehr zeigte. Ich brauchte frische Luft. Es war mittlerweile um die 2 Uhr nachts, als ich mit Handy, Taschentüchern und…ja…da war doch noch was, was in meine Hand gehören sollte… Ich hatte den Zimmerschlüssel auf dem Bett liegen lassen. Super! Ich klopfe, keiner macht auf. Die blöde Tussi, die gerade noch gestöhnt hatte, weil ich den Ventilator ausgemacht habe, hat mir natürlich nicht aufgemacht. Panik. Denn ich wusste nicht mehr, ob es eine 24h Rezeption gab, und man kann ohne Schlüssel nicht mal mehr auf den Gang zurück, sondern ist komplett ausgeschlossen. Ich habe es gewagt und zum Glück war die Rezeption noch auf. Wenn jetzt nur noch ein Mitarbeiter da wäre… Ich habe geklingelt, gerufen und geklopft, nichts. Nach 20 Minuten kam dann endlich jemand. Ich habe einen neuen Schlüssel bekommen. Jetzt war aber immer noch das Problem mit meiner Luft. Es war schon um die 3 Uhr, das hieß, in 4,5 Stunden sollte meine Great Ocean Road-Tour starten. Da war wieder die Panik. Ich habe dann erst mal viel Geld mit Mama und Papa vertelefoniert. Da ich nicht länger durch einen Strohhalm einatmen konnte/wollte, habe ich mich angezogen, um zu einem Arzt zu fahren. Dass ich möglicherweise jemanden dabei aufgeweckt habe, war und ist mir relativ schnuppe.

Ich gehe also mit meinen sieben Sachen zur Rezeption und sage zum Rezeptzionist, ich brauche einen Arzt. Der guckt mich nur blöd an und wiederholt meinen Satz. Da er nichts weiter zu sagen weiß, frage ich ihn nach dem nächsten Krankenhaus. Er daraufhin sagt nur, der Computer müsse gerade Updates laden und er könne da gerade nicht dran. Ich dränge ihn und er googelt mir eine Adresse raus. Ich solle aber doch erst mal die Krankenschwester-Hotline anrufen. Das scheint ja eine tolle Sache zu sein, aber alle Leitungen waren besetzt. Ich bin also auf die Straße gegangen, um ein Taxi anzuhalten. Der erste war der totale Griff ins Klo! Ich hatte einen jungen, aus Afrika stammenden Fahrer erwischt, der überhaupt keine Ahnung hatte, in welcher Stadt er sich überhaupt befand. Man hätte ihn wohl eher als Uhrenverkäufer an einem Strand in Südeuropa zugeordnet. Nach 200 Metern wurde mir das zu bunt und ich wollte nur noch aussteigen. Ich habe ihm seine 5$ in die Hand gedrückt, die er natürlich nicht zurückgewiesen hat! Arsch…

Versuch Nr. 2 war hingegen ein Volltreffer. Als ich allerdings gerade die Tür aufgemacht habe, hat er noch schnell mal seinen Porno auf seinem iPod ausgemacht und die Kopfhörer aus seinen Ohren genommen. Nun gut, jedenfalls war er freundlich. Er kannte die Adresse jedoch auch nicht, hat sie nur ins Navi eingegeben. Als wir nach 15 Minuten endlich davor standen, teilte und das Schild davor mit, dass es hier kein Emergency Department gebe. Ich durfte von seinem Handy aus dort anrufen und wir wurden zum richtigen Gebäude 10 min. entfernt geschickt. Der nette Fahrer hat mir dafür nichts extra berechnet. Bis wir allerdings den richtigen Eingang gefunden haben…Nach vier Versuchen war ich endlich da, wo ich hinwollte. Und es war voll! Ich musste drei Schalter abklappern, um 100$ loszuwerden und mir anzuhören, dass ich nicht die Erste heute sei mit Atemproblemen. Nach 1 Stunde Wartezeit kam ich endlich dran und man gab mir irgendwas zum inhalieren. Davon war eigentlich wieder alles gut, nur hat mein Herz doppelt so schnell geschlagen. Das war also mein Krankenhaus Abenteuer in Melbourne

Category: While
You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
Leave a Reply

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>