(Nachtrag)
„Heart of Australia“. Da war ich nun, in der Mitte dieses riesigen Kontinents. Der erste Eindruck war gut, weil: Es war heiß! Die Tage zuvor waren es nur um die 20°, ich aber hatte mit täglich ca. 30° wohl die schönste Woche in diesem ungewöhnlich kalten australischen Frühling erlebt. Nach der Ankunft mit dem Ghan habe ich mich natürlich gleich wieder auf die Suche nach einem kostenlosen Reiseführer gemacht und bin fündig geworden. Da ich die Entfernungen auf der Karte noch überhaupt nicht einschätzen konnte und ich zwei schwere Taschen bei m
ir hatte, habe ich den Shuttlebus zum Hostel genommen. War ja ganz praktisch, aber viel zu teuer für gerade mal 5 Minuten Fahrt. Tatsächlich hätte ich ihn nicht gebraucht.
Schon wegen meiner Mitgliedskarte vom DJH (Deutsches Jugendherbergswerk), aber auch wegen der Qualität habe ich mich auch dieses Mal für das YHA-Hostel entschieden. Bisher war ich jedoch nur in Großstädten, Alice Springs hingegen ist ein Kuhkaff. So hat sich auch die Anlage von den bisherigen unterschieden: Ich kam mir vor wie im Sommerurlaub. Fehlte nur noch das Meer (, welches jedoch mindestens knappe 1000 km entfernt liegt). Ich wurde von einem gutgelaunten Surfer (er sah zumindest so aus) begrüßt und habe mich mit dem Schlüssel (sonst waren es immer Magnet-Karten) auf die Suche nach meinem Zimmer gemacht. Wie gesagt, die Anlage löst Urlaubsfeeling aus. Alles ist sehr offen und familiär und es gibt einen (winzig)kleinen Pool. Die Toiletten sind dieses Mal außerhalb der Hauptgebäude. Leider habe ich das wohl einzige Zimmer ohne Fenster erwischt. Aber gut, war ja eh nur für eine Nacht, w
ie so oft.
Dann saß ich da mit meinem Guide und einer Stadtkarte auf dem Bett und war heftig am Überlegen. Auch wenn Alice nicht allzu groß ist, gab es doch ein paar Dinge, die ich sehen wollte und die meisten davon würden in ca. 1 Stunde schließen. Ich dachte ja, dass ich noch einen ganzen halben Tag in Alice hätte, aber da sich der Ghan verspätet hat und man ja auch nicht gleich für eine Stadttour fertig ist, musste ich mich schnell entscheiden. Was und wann. Ich entschied mich zunächst mal für ein Fahrrad. Ganz blöde Idee… So richtig bescheuert… Ich, untrainiert wie ich sowieso schon bin, komme gerade von einer 25-stündigen Zugfahrt, die ich natürlich hauptsächlich sitzend verbracht habe, und miete mir ein Fahrrad, um schnell noch das Wichtigste von diesem winzigkleinen Alice abzuklappern. Dieser Fehler wurde mir nach ca. 10 Sekunden bewusst. Aber gut, da habe ich schon umgerechnet 10€ für ein Fahrrad bezahlt, dessen Sitz alle paar hundert Meter nach unten rutscht und wieder nach oben geschoben werden will. Und wenigstens musste ich nicht lange nach diesem Drahtmonster suchen, denn man kann sie im Hostel selbst mieten.
Mein erstes Ziel
war die Shopping Mall, Todd Mall genannt. Sie ist das Zentrum und liegt 100 Meter vom Hostel entfernt. Aber irgendjemand meinte es echt nicht gut mit mir. Zum wohl ersten und letzten Mal in der Geschichte dieses Dorfes in the real Middle of Nowhere gab es eine Bombenwarnung. Es wurde eine herrenlose Tasche in einer Bank gefunden und die gesamte Mall war deswegen gesperrt. Gut, dann fuhr ich eben weiter zur nächsten Attraktion, zur Royal Flying Doctor Service Base. Weil ich, wie gesagt, die Abstände noch nicht einschätzen konnte, bin ich zu weit gefahren. Ich war so gestresst… Im Endeffekt hätte ich das Fahrrad nicht mal gebraucht! Ich wäre auch zu Fuß noch pünktlich zur letzten Führung um 4 pm gekommen. Die sehr kurze, aber interessante Führung kostete Eintritt, der jedoch, wie uns später erzählt wurde, wie eine Spende eingesetzt würde. Der Besuch der RFDS-Base ist empfehlenswert.
Nach diesem ersten Stopp habe ich mich auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. In letzter Zeit schwöre ich auf Subway. Nach der Stärkung bin ich Richtung Todd River gefahren. Der Fluss ist nicht so einfach zu entdecken, da er bis auf wenige Tage im Jahr ausgetrocknet ist. Ich habe Aborigine-Familien gesehen, die im Flussbett gepicknickt haben, andere sind darin Spazieren gegangen. Aus Zeitmangel und im Angesicht der nahenden Dämmerung habe ich mein Rad abgestellt und bin den
sogenannten Anzac Hill hochgetigert. Von diesem Hügel aus hat man einen schönen Blick über ganz Alice Springs und kann dem Sonnenuntergang über dem Outback zuschauen. Da es recht schnell dunkel wird, bin ich zurück zum Hostel gefahren, durch die inzwischen bombenfreie, aber leider auch menschenleere Todd Mall. Ich wollte nur noch duschen und so langsam ins Bett gehen. Nachts alleine in Alice herumzulaufen kam mir nicht so angemessen vor, da hier viele Aborigines leben und mir ihre dunklen Gesichter ehrlich gesagt nachmittags schon ein bisschen Angst gemacht haben; nicht böse gemeint.
Im Hostel wird anscheinend jeden Abend eine DVD auf einer Open Air Leinwand gezeigt. Man kann sich dann in Liegestühlen die (C-Klasse-) Filme ansehen. So habe ich mit meinen Ravioli den Abend ausklingen lassen. Dabei ist mir eine Sache an Alice Springs aufgefallen, die ich als nervig empfunden habe: Wo man hingeht, hört man Deutsch. Diese Stadt muss die größte Dichte deutscher Touristen
haben -.- Ich würde mal sagen, dass 80% der Hostelgäste deutschsprachig waren…
Nachdem ich meine Taschen gepackt habe (den Koffer musste ich schon früher packen, da die Rezeption und der dazugehörige Raum für die Koffer mal nicht 24 Stunden geöffnet hat; wichtig zu wissen!), bin ich schlafen gegangen. Ich hatte eine 2-Day Red Centre Tour vor mir.
Das war es aber noch nicht mit Alice. Nach der Tour hatte ich noch den ganzen Samstag Abend und Sonntag Vormittag Zeit, mich noch mal umzusehen. Als ich nun also nach der Tour zum zweiten Mal im Hostel eingecheckt und meinen Koffer abgeholt habe, habe ich mein neues Bett in einem anderen Zimmer bezogen. Ein anderes Mädchen ist kurz nach mir angekommen und hat es mir gleichgetan. Ich bin mit ihr ins Gespräch gekommen und sie ist sehr nett gewesen. She comes from the U.S. by the way. Wir haben uns Abendessen gemacht und über Gott un
d die Welt geredet (, während vor uns ein D-Klasse Film abgespielt wurde). Sie würde in Canberra studieren, gerade Urlaub machen und in Alice nur für eine Nacht bleiben, um am nächsten Tag mit dem Ghan nach Adelaide fahren. Dann bin ich wenigstens nicht die einzige Verrückte
Sie wollte nach dem Essen noch in einen bestimmten Pub gehen, der ihr von einem Freund ans Herz gelegt wurde. Da ich nichts weiter vorhatte, bin ich einfach mit ihr gegangen. Dieser Pub bzw. die Menschen darin sind ganz interessant, aber mehr auch nicht. Wir haben beide ein Bier getrunken und sind schnell geflüchtet, als mich eine Aborigine-Frau mit irgendeinem Typen verkuppeln wollte. Wir haben uns vor dem Schlafengehen schon verabschiedet, da wir zu unterschiedlichen Zeiten aufstehen wollten. Wir haben uns für das nächste Wochenende in Sydney verabredet (, woraus leider nichts geworden ist, da ich ja krank geworden bin).
Am nächsten Morgen bin i
ch früh aufgestanden, denn mein Tagesziel war die Telegrafenstation, der Geburtsort von Alice Springs. Sie liegt knapp 3 km nördlich vom Stadtzentrum entfernt. Es war sehr schönes Wetter für eine solche Wanderung. Ich kann jetzt sagen, ich bin schon mal auf dem Grund eines Flusses gelaufen. Na denn. Mir sind einige ehrgeizige Jogger, mehr oder weniger viele Spinnennetze und ein kleines Wallaby begegnet. Als ich endlich angekommen bin, war alles geschlossen. Um 8 am sollte diese Touristenattraktion öffnen, ich war von 8:15-8:30 da. Nichts. Gut, man kann vom Zaun aus ein paar Fotos von den gut erhaltenen Gebäuden machen. Nur leider konnte ich nun die Station nicht betreten. Und sehnsüchtig habe ich die Souvenirs vom Ladenfenster aus betrachtet. Ich hatte nämlich noch keine.
So bin ich zügig zurückgelaufen und habe die zuvor menschenleere Einkaufsstraße total überfüllt wieder vorgefunden. Ich weiß
nicht, aus welchem Anlass genau, jedenfalls war die ganze Straße ein großer Markt. Da hat Alice die gesperrte Mall vom Donnerstag wieder gut gemacht. Der Markt war ziemlich gut, mit vielen internationalen Essständen und Beiträgen von den Ureinwohnern. Ich habe mir ein kleines Gemälde a la Aboriginal Kunst und endlich meine Souvenirs gekauft. Danach habe ich noch schnell die letzten kleineren Attraktionen abgeklappert und das war es auch schon. Ich hätte gerne noch die vielen anderen Dinge gesehen, die die Umgebung noch so bereithält, nur leider liegt das meiste außerhalb und ist ohne Auto nicht zu erreichen. So habe ich weder den Desert Park noch das Ghan-Museum gesehen.
Die Flughafenstory habe ich ja schon erzählt, aber eine Kleinigkeit, die beweist, dass es zu viele Arschlöcher auf dieser Welt gibt, habe ich noch zu erzählen: Ich habe an der Stelle gewartet, an der der Bus mich abholen sollte. Da ich fast zu spät war und gerade in dem Moment ein Fahrzeug (so eine Familienkutsche) anhielt und der Fahrer ausstieg, bin ich in seine Richtung gelaufen. Der
Typ hat nicht lange um den heißen Brei herumgeredet und hatte schon meine Koffer in der Hand und ist Richtung Kofferraum gelaufen. Ich hab zum Glück gerade noch das Wort TAXI gelesen, dass ich schnell hinterhergerannt bin und ihm meine Koffer fast aus der Hand reißen musste. Ich habe kein Taxi bestellt und das weiß er ganz genau. Er meinte noch, ich wolle doch zum Flughafen. Arsch. Nach seinem Misserfolg, ist er ganz schnell abgezischt und eine Minute später kam der richtige Bus. Man macht hier in der Tat Erfahrungen.

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